| Die Primitivo-Traube : Zwischen Taranto und Gallipoli, im Westteil des Salento, liegt die mesapische Stadt Manduria. In dieser DOC-Zone wird die Primitivo-Rebe angepflanzt. Wie Negro amaro zählt auch diese Rebe zu den antiken Sorten und wird in dieser Region seit Jahrhunderten angebaut. Ihr Ursprung ist ungewiss. Es wird vermutet, dass sie aus Persien stammt und von dort nach Kroatien kam wo, sie als „Crljenak-Traube“ angebaut wird. „Crljenak“, wird wiederum vermutet, ist die Ursorte des Primitivo, und die Zinfandel-Rebe in Kalifornien soll eine nahe Verwandte (genetisch identisch?) der Primitivo-Traube sein. Wie die Primitivo-Traube über den Atlantik kam ist eine weitere Unbekannte in der Geschichte dieser rätselhaften Sorte. Der Name "Primitivo" stammt vom Wort „Il primo“, die erste Rebe, die im Herbst ausgereift ist.
neue Forschungsergebnisse zur Herkunft des Primitivo:
Primitivo gleich Zinfandel?
Wirklich? Wirklich: Schon lange stand der Zinfandel - in Kalifornien die meistangebaute rote Rebsorte - in Verdacht, mit dem in Süditalien verbreiteten Primitivo identisch zu sein. Gentests zur Bestätigung oder Widerlegung gab's noch keine. Und auch ein logisches Problem harrte der Lösung: Zinfandel ist in den USA spätestens seit 1850 bekannt. Der erste Primitivo in Apulien wurde erst um 1890 abgefüllt; Süditalien ist damit so oder so nicht die Wiege des Zinfandel.
Kroatischer Ursprung
Gelöst wurde das Rätsel erst vor kurzem. Zuerst konnte nachgewiesen werden, dass Zinfandel tatsächlich genetisch identisch mit Primitivo ist. Und dann machte die Meldung aus Kroatien die Runde, dass auch die dort verbreitete Traube Plavac Mali im Prinzip Zinfandel sei. Das haben Genforscher nun widerlegt - und eine andere, viel seltenere kroatische Rebe gefunden, die mit Zinfandel und Primitivo identisch ist: Crljenak Kastelanski.
Knotenpunkt Wien
Und so lief die Zinfandel/Primitivo-Story wahrscheinlich ab: Crljenak-Kastelanski-Reben aus Kroatien wurden um 1800 nach Wien gebracht; in den kaiserlichen Gärten sammelte man damals Reben aus dem ganzen Habsburgerreich. Ein Emigrant nahm ein paar Stöcke davon mit und brachte sie nach Kalifornien. Später fand die Crljenak den Weg von Wien auch nach Süditalien, während die Originalbestände in Kroatien von einer Krankheit weitestgehend vernichtet wurden. (Felix Fischer, t-online)

Die Negroamaro-Traube: Die Negroamaro ist eine in Apulien sehr verbreitete Sorte. Ihre hohe Qualität wirkt sich auf die Klasse der großen schweren Rotweine aus der Region Salento aus. Die Negroamaro-Traube wird unter anderem im DOC Salice Salentino rosso und rosato (Rosa del Golfo) sowie in vielen Rotweinen der Halbinsel (Notarpanaro und Patriglione, Portulano, Graticciaia, Priante, und vielen anderen) verwendet.
Die
Region Apulien bildet den Fersen
des italienischen Stiefels. Entlag dem Adriatischen Meer
zieht sich die Landschaft auf einer Länge von mehr
als dreihundert Kilometern bis zum Ionischen Meer. Reben
finden sich in allen Teilen der Region: im Norden die Sorten
Uva di Troia, Aglianico und Grecco di Tuffi,
im
mittleren Teil die Sorte Primitivo und im Süden die
Sorten Negroamaro und Malvasia nera. Im ganzen Gebiet werden
in geringerer Menge Sangiovese, Pinot nero und Montepulciano-Reben angebaut. Dazu kommen noch weitere 14 autochthone
Sorten, die zum Teil nur ganz lokal angebaut werden. Die
Region trägt mengenmässig einen wesentlichen Teil
zur italienischen Weinproduktion bei und dies erfreulicherweise
bei steigendem Qualitätsstandard.
Das
klimaverwöhnte Apulien (105 000 Hektar Weinbaufläche)
erinnert auf den ersten Blick an Kalifornien (170 000 Hektar).
Allerdings sind da zwei grundsätzliche Unterschiede:
Die Kalifornier nutzen als gewiefte Unternehmer ihr Qualitäts-
und Marktpotenzial bis auf den letzten Dollar (wobei sie
sich auf Allerweltssorten beschränken und so ohne jeglichen
„Terroirbonus“ der globalen Konkurrenz aussetzen). In Apulien
hingegen gibt es nur gerade ein gutes Dutzend wirkliche
Weinunternehmer. Das ist umso bedauerlicher, als die Winzer
der Region, im Gegensatz zu ihren amerikanischen Kollegen,
über autochthone Traubensorten von einzigartigem Wert
verfügen, aus denen sie Rotweine mit ausgeprägtem
Gebietscharakter hervorbringen könnten. Der südliche
Teil Apuliens mit den DOC Gebieten Primitivo di Manduria
und Salice Salentino nennt sich Salento
oder salentinische Halbinsel.
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Apulien, an der äussersten südlichen Grenze Europas mitten im Mittelmeerraum gelegen und nach Osten hin ins Meer vorgestreckt, war seit jeher dank seiner geographischen Lage, seiner vorwiegend ebenen Landschaft und seinem besonders günstigen Klima ein ideales Gebiet für menschliche Ansiedlungen sowie eine Gegend, in der Handel und kultureller Austausch blühten. Als Sitz von Völkern, die schon in frühester Zeit einen hohen Zivilisationsgrad erreicht hatten, bildet seine Prähistorie einen Eckpfeiler für Studien über die späten paläolithischen Kulturen des Mittelmeergebietes und Europas. In Apulien - begehrt von Osten und Westen, leicht über das Meer und auf dem Landweg erreichbar - lebten im Altertum die illyrischen Völker der Lapyger, der Daunier, Peuzetier und Messapier. Es war Sitz zahlreicher griechischer Kolonien, war römisches Territorium und wurde von Augustus in die Region Apulia et Calabria mit einbezogen.
Es erlebte Völkerwanderungen, fiel unter byzantinische Herrschaft und erhielt mit der Machtergreifung durch die Langobarden sowie die darauffolgende fränkische Herrschaft eine gewisse Unabhängigkeit. Nachdem Apulien den Streifzügen der Sarazenen ausgesetzt war, lehnte es sich im 11. Jahrhundert gegen die Byzantiner mit der eigennützigen Hilfe der Normannen auf, die sich dann seiner bemächtigten. Es gehörte zum Königreich Sizilien, zum Königreich Neapel und dem Königreich der beiden Sizilien vor der Vereinigung Italiens. Die Geschichte und Kultur Apuliens sind stark geprägt von der Präsenz der Griechen, Römer, Byzantiner, Araber, Normannen, Franken, Spanier und anderer Völker, die unauslöschliche Spuren hinterliessen. Der Kontakt mit so unterschiedlichen ethnischen Gruppen und Kulturen hat das apulische Gebiet mit archäologischen Funden, Kastellen, Türmen, Kathedralen, städtischen und ländlichen Gebäuden sowie anderen Bauwerken in den verschiedensten Baustilen reichlich übersät, die von den Bewohnern Apuliens neu interpretiert wurden, wobei diese eine wahrhaftige Baukultur ins Leben riefen. Dialekte, Traditionen und Kultur, die noch heute für die verschiedenen apulischen Bevölkerungen charakteristisch sind, scheinen in den geomorphologischen Besonderheiten der Gegenden, in denen diese leben, Entsprechung zu finden. Tiefgehende kulturhistorische und geographisch-umweltbezogene Unterschiede kennzeichnen die Gegend der Capitanata, des Gebiets um Bari, des Salento und des ionischen Gebiets, Gegenden, die die Region Apulien bilden und mehr oder weniger den derzeitigen Provinzen von Foggia, Bari, Brindisi, Lecce und Tarent entsprechen.
Beweis dafür ist die Tatsache, dass die Region lange Zeit Le Puglie hiess, und man noch heute in vielen Fremdsprachen den Plural für ihre Bezeichnung verwendet. Das, was die Kultur und die geschickte Hand des Menschen massgerecht im Laufe der Jahrtausende gebaut, verschönert und geformt hat, verschmilzt mit dem milden Klima, dem glasklaren Meer, der immerwährenden Sonne, den Sand- und Felsküsten, den grünen Inseln, den eigentümlichen Grotten und anderen Schönheiten, mit denen die Natur diese Gegend verschwenderisch ausgestattet hat. Der freundliche südländische Charakter, die natürliche Zuvorkommenheit und Hilfsbereitschaft der Menschen, eine wirklich landestypische Gastronomie, hervorragende Weine, Kirchen- und Volksfeste, historische Festlichkeiten, kulturelle Veranstaltungen sowie zahlreiche moderne und touristische Einrichtungen verschiedenster Art, schaffen eine ganz besondere und gastfreundliche Atmosphäre.
Wenn es eine Eigenschaft gibt, die all diese Orte gemeinsam haben, dann ist es das Überleben und das Bewahren griechischer Gebräuche, die hier bis zum 17. Jahrhundert weit verbreitet waren. Die griechische Sprache, die sich in den Ortsnamen niedergeschlagen hat, die ursprüngliche griechische Architektur, zum Beispiel die Mehrfamilienhöfe in ihrem blendenden Weiss, die Balkone, die Dekorationen in Rautenform und darüber hinaus die Sitten und Gebräuche machen diese Region so einzigartig in der Welt und sind daher sicherlich der Aufmerksamkeit von seiten des Kulturtourismus wert. Nicht weniger als zwanzig Schlösser machen aus dem Salento eine einzige mächtige Festung, einen Schutzwall aus Granit, zusammen mit den Küstentürmen und den befestigten Gehöften im Inneren des Landes haben sie hunderten von Invasionen, durch die Normannen, Sweben, Anjou, Aragonier, Spanier, Venezianer und Sarazenen getrotzt, die in den letzten Jahrhunderten aus dieser Provinz ein Land der Eroberung gemacht haben. Die derzeitige Form fast aller Schlösser im Salento lässt sich auf die Renaissance zurückführen (15. Und 16 Jh.), auch wenn die einzelnen Bauwerke oft auf den Grundmauern frühzeitlicherer Bauten basieren, wie zum Beispiel die Schlösser von Copertino, Gallipoli, Otranto, Acqurica del Capo, Presicce, Morciana di Leuca und von Roca Vecchia. 150 Kilometer eindrucksvolle und bezaubernde Küste, entlanggestreckt zwischen zwei Meeren, die die Morphologie und die Geschichte dieses Landstrichs bestimmt haben, bilden den Salento. Otranto ist einer der atemberaubensten Küstenorte der gesamten Provinz. Dies allein könnte ausreichen, um das Salento als bevorzugtes Reiseziel in jeder Jahreszeit auszuwählen. Aber auch die ausserordentliche Geschichte des Landes, gezeichnet von der denkwürdigen Wut der Sarazenen, die eine Wüste aus Tränen und Blut hinter sich liessen, ihre überall gegenwärtigen architektonischen Meisterstücke, macht sie zum begehrten Reiseziel.
Wenn man die griechische Kolonisierung und die weitere Hellenisierung Süditaliens betrachtet, ist das salentinische Griechenland ein geographischer Beutel, der derzeit die Gemeinden von Calimera, Castrignano dei Greci, Corigliano d'Otranto, Martano, Martignano, Melpignano, Soleto, Sternatia und Zollino enthält. Im Herzen des östlichen Salento, wo noch heute Spuren der griechisch-byzanthinischen Zivilisation zu finden sind, hat das Griko überlebt, das dem modernen Griechisch sehr ähnlich ist. Diese griechische Enklave ist leicht mit dem Auto von Lecce, Otranto, Gallipoli oder Santa Maria di Leuca aus zu erreichen.
DAS SALENTINISCHE GRIECHENLAND
"Wir sind Griechen, und dies zu unserem Ruhm", hiess es im Knigge und aus gutem Grund. Und sei es auch nur wegen der Legenden, in denen es heisst, dass all diese Orte verschont geblieben sind von Wirbelstürmen und Taifunen, meistens durch Fürbitte der östlichen Heiligen. Das
salentinische Griechenland ist noch heute reich an aussergewöhnlichen geschichtlichen und künstlerischen Spuren, von den Menhiren bis hin zu den Dolmen und den Steinhaufen (der berühmte Steinhaufen der Mori in Martano), bis hin zu dem "gelöcherten Stein" und dem "Stein der Fruchtbarkeit" von Calimera in der Kirche San Vito, der in der Symbolik der Läuterung und der Wiedergeburt ähnliche Versöhnungsriten aufnimmt wie das gegenüberliegende Griechenland; Ausserdem ein Muss: die priesterlichen und wunderschönen Ikonen der Lauren und der basilianischen Klöster, die Krypten (die von San Biagio in Calimera, die sich in dem gleichnamigen natur-archäeologischem Park befinden; die Krypten von Sant'Onofrio in Castrignano dei Greci, die auf das 15 Jh. der christlichen Ära zurückgeht, während der San Sebastiano in der gleichnamigen Krypta in Sternatia auf das Jahr 1100 zurückgeht); die Klöster, die Schlösser (besonders das von Corigliano d’Otranto aus dem 15 Jh. ist unglaublich beeindruckend und auch die Festung Granafei in Sternatia), die Kirchen, wie zum Beispiel der barocke Klosterkomplex der Augustiner in Melpignano, der Glockenturm von Sterantia, die gotische Fiale in Soleto und die atemberaubenden Fresken in der Kirche Santo Stefano aus dem 15 Jh. auch in Soleto, sowie die der Assunta gewidmeten Pfarrkirche in Martano. Darüberhinaus sind noch die Adelspaläste in Martano, in Corigliano d'Otranto, in Calimera und in Martignano zu erwähnen, ausserdem die charakteristischen Brunnen von Castrignano dei Greci, von Soleto und von Zollino, bei den es sich um eine antike Grufttechnik für die Aufbewahrung von Regenwasser handelt.
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