Die Toskana, früher Tuszien, Tuscien, Tuskien, italienisch Toscana, ist eine Region in Mittel-Italien. Sie grenzt im Norden an Ligurien und die Emilia-Romagna, im Osten an Marken und an Umbrien und im Süden an Latium. Die Toskana gilt als historische Landschaft und bedeutende Kulturlandschaft. Ihre Bezeichnung leitet sich vom in der Antike hier ansässigen Volk der Etrusker her. Die Toskana hat eine Fläche von rund 22.990 km² und 3.761.616 Einwohner (Stand 31. Dezember 2011). Die Hauptstadt ist Florenz im Norden der Region. Weitere wichtige Städte sind Arezzo, Pisa, Siena, Grosseto, Livorno, Prato und Lucca. Hauptfluss ist der Arno.
Die Toskana ist bekannt für ihre hügelige Landschaft, die sich besonders durch die vielen Pinien, Säulenzypressen, Olivenbäume und Weinreben auszeichnet. Ihr höchster Berg ist der Monte Prado (2054 m). Die Toskana besitzt Waldgebiete von einer Million Hektar Fläche. In ihrem Süden finden Naturliebhaber ein grosses Naturschutzgebiet, den Parco dell’Uccellina, mit aussergewöhnlich seltener Flora und Fauna.
Zu den bekanntesten und beliebtesten Landschaften der Toskana zählen die Maremma im Süden, das Chianti-Gebiet zwischen Florenz und Siena sowie die Versilia-Küste im Nordwesten und die Etruskische Riviera, die sich vonLivorno bis nach Piombino entlang der toskanischen Küste erstreckt. Im Norden wird die Toskana durch den Apennin, dessen Höhenzüge als Apuanische Alpen eine Höhe von knapp 2000 Metern und im Appennino Tosco-Emiliano von über 2000 Metern erreichen, begrenzt. Weitere Landschaften sind das Gebiet des Monte Amiata, der Mugello, das Chianatal (Val di Chiana), die Lunigiana und Garfagnana, das Elsatal (Val d’Elsa) und Val d’Orcia(Orcia-Tal), die Montagnola Senese und die Crete Senesi sowie die Colline Metallifere und das Casentino.
Die Wirtschaft der Toskana wird hauptsächlich durch Tourismus und Anbau von Wein und Gewinnung von Olivenöl sowie durch Kunsthandwerk geprägt. Zu den bekanntesten toskanischen Weinen zählen der Chianti, der Brunello di Montalcino und der Vino Nobile diMontepulciano. Badetouristen finden gute Bedingungen an der Etruskischen Riviera und der Küste der Maremma entlang des Festlands sowie auf der Insel Elba, die über den Fährhafen Piombino erreicht werden kann. Die 328 km lange Küste der Toskana ist abwechslungsreich: Der nördliche Abschnitt, die Versilia, bietet lange, breite und vor allem feinsandige Strände. Der sich anschliessende Teil, die etruskische Riviera, weist viele einsame Buchten auf, die zu Fuss oder mit dem Boot zu erreichen sind. Viel besuchte Seebäder sind Viareggio und Forte die Marmi. Ein weiterer wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, seit der Herrschaft der Etrusker, die Stahlproduktion in der Gegend um Piombino. An Bodenschätzen finden sich Eisenerz, Pyrit, Zinkerz, Quecksilber, Marmor (aus Carrara und Massa) und Salz. Die Rinderrasse Chianina, die grösste der Welt, hat ihren Ursprung ebenfalls in der Toskana. Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht die Region einen Index von 118.0 (Durchschnitt EU-25: 100)
Als Kerngebiet der Etrusker war Etrurien eines der bedeutenden Länder im Mittelmeerraum, bevor es 351 v. Chr. vom Römischen Reich annektiert und als „Etruria“ in die Römische Republik eingegliedert wurde. Seit Kaiser Augustus bildete das Gebiet unter dem Namen „Tuscia“ die siebente von elf Regionen, in die Italien zu administrativen Zwecken gegliedert worden war. Unter Kaiser Konstantin wurde es Anfang des 4. Jahrhunderts mit Umbrien in der Provinz „Tuscia et Umbria“ vereinigt, ein Arrangement, das mindestens bis ins Jahr 400 andauerte. Der römische Historiker Ammianus Marcellinus unterschied Ende des 4. Jahrhunderts zwischen „tuscia suburbicaria“ (südlich des Arno) und „tuscia annonaria“ (nördlich des Arno).
Mittelalter
Nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches geriet Tuscia unter den Einfluss der Heruler, der Ostgoten, der Westgoten, des Byzantinischen Reiches und des Langobardischen Königreiches. Unter denLangobarden wurde „Tuscia Langobardorum“, bestehend aus den Bezirken Viterbo, Corneto und Bolsena, unterschieden vom weiter nördlich liegenden „Tuscia Regni“. Mit der „Pippinischen Schenkung“ kam der südliche Teil (in etwa die heutige Provinz Viterbo) 754 zum Patrimonium Petri; der nördliche Teil wurde zur Markgrafschaft Tuszien, die unter den Staufern zusammen mit derLombardei und der Markgrafschaft Verona das Königreich Italien im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation bildete. Unter Karl dem Grossen wurde der Name „Tuscia“ bzw. „Toscana“ auf die „Tuscia Regni“ eingeengt. Der fränkische Markgraf Bonifatius II. kämpfte um 828 in Afrika erfolgreich gegen die Sarazenen. Markgraf Adalbert I. ergriff die Partei Karlmanns gegen dessen Bruder Ludwig III. von Frankreich und erlitt in der Folge Exkommunikation und Inhaftierung. Adalbert II. der Reiche (Markgraf von Tuszien), der die ehrgeizige Bertha, Tochter des lotharingischen Königs Lothar II., heiratete, spielte eine prominente Rolle in der Politik seiner Zeit. Ein nachfolgender Markgraf, Hugo der Grosse, wurde 989 auch Herzog von Spoleto. Die männliche Linie der Markgrafen endete mit Bonifaz II. (oder III.), der 1052 ermordet wurde. Seine Witwe Beatrix heiratete 1055 Gottfried, Herzog von Lothringen, und regierte das Land bis zu ihrem Tod 1076. Dann folgte ihr Matilda, ihr einziges Kind von ihrem ersten Ehemann. Matilda starb 1115 ohne Nachkommen und hinterliess all ihre umfangreichen Besitztümer zuerst der Kirche, setzte dann aber 1111 den Kaiser zu ihrem Erben ein. Daraus folgte eine lange Streiterei zwischen den Päpsten, die das Erbe beanspruchten, und den Kaisern, die sich einerseits auf das Erbe von 1111 beriefen, andererseits der Gräfin das Recht absprachen, über kaiserliche Lehen zu verfügen. Der Konflikt um die Mathildischen Güter ermöglichte es den grösseren Städten der Toskana, allmählich ihre Unabhängigkeit zu gewinnen. Die wichtigsten dieser toskanischen Republiken waren Florenz, Pisa, Siena, Arezzo, Pistoia und Lucca.
Zeit der Stadtrepubliken
Die florentinische Republik erobert im 15. Jahrhundert wichtige toskanische Städte und wurde innerhalb der Toskana und Italiens immer dominanter. Siena besiegte im Jahr 1260 Florenz in der grossen Schlacht von Montaperti, ohne dass Florenz dabei dauerhaften Schaden erlitt. Siena verlor seine Selbstständigkeit erst wieder im 16. Jahrhundert und wurde an das Herzogtum bzw. Grossherzogtum Toskana angeschlossen. Lucca blieb noch bis über die Napoleon-Herrschaft hinaus unabhängig von der Toskana.
Traubensorten der Toskana
Sangiovese: Die rote Rebsorte ist mit knapp 100.000 Hektar (das sind rund 10% der Gesamt-Rebfläche) die häufigst angebaute italienische Rotwein-Sorte und nach der weissen Trebbiano die zweithäufigste Rebsorte Italiens. Die ausgedehnte Verbreitung ist recht erstaunlich, denn die Sangiovese gilt als nicht gerade pflegeleicht: Die Sorte reift langsam und reagiert empfindlich auf die jeweilige Witterung. In zu heissen Sommern produziert sie Trauben, die oft überladene, alkoholstarke Weine zur Folge haben, in garstigen Jahren resultieren markante Säuren und harte Tannine. Da die Beeren dünnhäutig sind, wird der Lesetermin oftmals nicht von der optimalen physiologischen Reife, sondern von der Furcht vor Grau- beziehungsweise Essigfäule bestimmt. Vor allem in Lagen, die nicht ausgesprochen mager, steinig und folglich durchlässig sind, quellen die Früchte bei Regen gerne auf und beginnen zu faulen. Die Sorte ist uralten Ursprungs (worauf auch die Bedeutung des Namens “Blut Jupiters” hindeutet) und war wahrscheinlich schon den Etruskern bekannt. Sie ist vor allem in Mittelitalien verbreitet. Bis in das 19. Jahrhundert war auch der Name Sangioveto gebräuchlich. Es gibt zahlreiche Klone, die sich durch die daraus gekelterten Weine unterscheiden. Die bekanntesten Synonyme bzw. Varietäten sind Brunello (Klon für den DOCG Brunello di Montalcino aus der Toskana), Morellino (an der Küste der Toskana), die Prugnolo Gentile ( Vino Nobile di Montepulciano) die Sangiovese di Romagna ( in der Romagna) und vermutlich auch die Montepulciano Traube. Sangiovese ist eine Sorte, die im Rebberg häufig neue Klon mutiert.
Die Weine aus Sangiovese Trauben sind aromareich und kräftig, mit einem eindeutigen Aroma von roten Früchten (Primäraromen) mit Zimt, Gewürznelken, Schokolade, Tabak und manchmal animalischen Aromen (alles Tertiäraromen).
Morellino: Toskana – bei diesem Stichwort denkt der Weinliebhaber sogleich an Namen wie Chianti, Brunello di Montalcino oder Vino Nobile di Montepulciano. Vor einigen Jahren wurden dann die Weine der Südtoskana aus der Maremma und dem Bolgheri-Gebiet entdeckt. Der Morellino di Scansano wird aus der Traubensorte Morellino – einer lokalen Sangioveseart – rund um die Ortschaft Scansano angebaut. Der Weinbau dieser Gegend wird seit gut zweihundert Jahren betrieben, davor verhinderten die grossen Sumpfgebiete eine landwirtschaftliche Nutzung. Der Morellino di Scansano muss zu 85% aus Morellino (Sangiovese) bestehen, die restlichen 15% sind meistens Syrah oder lokale Traubensorten. Die höchste Qualitätsstufe Italiens, das DOCG, bekam der Wein 1997. Wie kaum ein anderer Wein der Toskana, ist der Morellino Sinnbild für die Lieblichkeit der Landschaft, die Zypressen am Rand der Olivenhaine, den Sonnenblumenfeldern die sich über die sanften Hügel ziehe und dem sich mit den Sonnenstrahlen vermischenden Grillengezirp.